von Dr. Bernd Klewitz
Ungewöhnlich war der Anlass, das Thema weniger neu,
jedoch umso brennender: Mit dem Motto ‚The Pursuit of Energy - A Catalyst for
Conflict' fand im März diesen Jahres die 32. Jahres- Schülerkonferenz der United
Nations International School (New York) statt. Über 600 SchülerInnen aus aller
Welt nahmen an dem 2-tägigen Workshop im Plenarsaal der UN-Vollversammlung teil
- unter ihnen auch 6 SchülerInnen der Alfred-Wegener-Schule aus Kirchhain,
begleitet von Politik-Lehrer Dr. Bernd Klewitz. Mit professionellen Vorträgen,
Studenten-Debatten und einem Film-Wettbewerb wurde der Frage nachgegangen,
inwieweit die aktuelle Energiekrise Anlass und Auslöser internationaler Krisen
und Konflikte ist und welche Lösungsmöglichkeiten vorstellbar sind.Die Kirchhainer Schüler hielten sich eine Woche in New York
auf, waren bei Familien der International School untergebracht und konnten
ausserhalb der Konferenz an Stadtexkursionen teilnehmen. Neben dem Empire State
Building und Times Square, an dem in der vorangegangenen Nacht eine Bombe als
Demonstration gegen den Irak-Krieg der amerikanischen Administration gezündet
worden war, standen weitere Landmarks der amerikanischen Metropole wie Central
Park, Brooklyn Bridge oder Pier 17 auf dem Programm. Den Ruf New Yorks als
‚city that never sleeps' konnten die Teilnehmer dabei selbst hautnah
miterleben. Natürlich war auch Shopping angesagt, aber in Projekten über
ethnische Gruppen, berühmte Wahrzeichen wie die Statue of Liberty und den
Alltag in NY wurden für die Lerngruppen in der Oberstufe Materialien und eine
Foto-Ausstellung zusammengetragen.
Höhepunkt der Exkursion aber war die Schüler-Konferenz in
der UN-Vollversammlung, die ein Zitat der US-amerikanischen Verfassung - ‚pursuit
of happiness' - auf die globalisierte Problematik des Wettbewerbs um Energie -
als ‚pursuit of energy' - übertragen hatte. Besonders eindrucksvoll gestaltete
sich der Vortrag eines Ex-Managers der Ölindustrie, Mark Crandall, der den
Zuhörern die Alternative der Holzverwertung als Energiequelle nahebrachte und
das gängige Konzept der ‚erneuerbaren Energien', insbesondere die auf Ethanol
basierende Erzeugung von Kraftstoffen infrage stellte. Auch das Modell der
Kernfusion - bei einem Plasma-Ausgangswert von 2,5 Millionen Grad Celsius -
wurde ausführlich erläutert und auf industrielle Verwertungsmöglichkeiten
überprüft.
Eine hitzige Debatte unter den Studenten entzündete sich an
der Frage, ob die am meisten Energie verbrauchenden Staaten auch den grösseren Anteil
an der Finanzierung alternativer Energiegewinnung zu tragen hätten. Vertreter
aus Jamaica, China und Indien verwiesen dabei auf die nachholende Entwicklung
ihrer Länder und die sozialen Folgen, die entstehen, wenn für sie die Nutzung
fossiler Energiequellen eingeschränkt würde. In der Schlussabstimmung unter den
Studenten ergab sich eine deutliche Mehrheit für die Ablehnung der Nutzung der
Atom-Energie. Auch zahlreiche deutsche Schüler beteiligten sich an der
Plenumsdiskussion, wenn das jeweilige Land, dem sie alphabetisch und symbolisch
zugeordnet waren, über die grosse Lautsprecher Anlage aufgerufen wurde. Da die
Konferenzsprache Englisch war, wurden auch in Kirchhain die Teilnehmer an der
Konferenz in einem von Studienrätin Helga Henzel (die krankheitsbedingt leider
nicht mitfliegen konnte) organisierten Auswahlverfahren bestimmt.
Beeindruckend war die Selbstständigkeit der Kirchhainer, die
sich - abgesehen von den strengen Sicherheitsbestimmungen in der UN-Bannmeile -
in New York im Rahmen ihrer Recherchen frei bewegen konnten und in der kurzen
Zeit ein zuverlässiges Team bildeten. Dr. Klewitz erhielt vom Organisator der
UN International School, Nigel Lewis, dabei die feste Zusage, dass die
Alfred-Wegener-Schule auch im kommenden Jahr als eine von 10 deutschen
Teilnehmer-Schulen wieder mit dabei sein kann. Welches Thema dann auf der
Agenda stehen wird, entscheiden die Veranstalter in New York im Rahmen eines
neuen Projektvorhabens; die Vermutung ist nicht unbegründet, dass der
Zusammenhang von Energie und Konfliktpotentialen weiterhin eine zentrale Rolle
spielen wird. Im Curriculum der AWS wird dieses Thema jedenfalls weiterhin sehr
relevant bleiben.
Aus Kirchhain nahmen an der Fahrt teil: Philipp Cinkul,
Ronja Weitzel, Robin Herig, Lena Görge, Franziska Dettner und Katharina Schneider,
sowie Dr. Bernd Klewitz. |